DAS MINISTERIUM FÜR STAATSSICHERHEIT - Alltag einer Behörde
Über Techniken, Menschenbild, Selbstverständnis und Legitimationsstrategien der Stasi

Regie: Jan N. Lorenzen, Christian Klemke

Nichts war in der DDR so geheim, wie die Arbeitsweise des Ministeriums für Staatssicherheit. Die Bedrohung, die vom MfS ausging, war unbestimmt und unkalkulierbar. Selbst Betroffene ahnten oft nicht, wie weit der Arm des MfS reichte.

Für fast 100.000 hauptamtliche Mitarbeiter war das MfS täglicher Arbeitsplatz. Neun von ihnen, zuletzt Generäle oder hohe Offiziere, traten nun vor die Kamera und erzählen vom Innenleben des MfS-Apparates, vom Lebensgefühl seiner Mitarbeiter und von den Techniken der zur täglichen Routine gewordenen Geheimdienstarbeit. Wie verlief eine Verhaftung, wie ein Verhör, wie die Anwerbung eines Inoffiziellen Mitarbeiters, und was waren die Praktiken in der Untersuchungshaft? Sie erzählen von ihrer Befriedigung beim Erreichen eines Geständnisses, von ihrem Verhältnis zu Minister Mielke und von ihren Gefühlen gegenüber abtrünnigen Mitarbeitern.

Der hier vorliegende Film ist keiner investigativer Spurensuche und sensationeller Enthüllungen, sondern einer über Menschenbild, Selbstverständnis und Rechtfertigungsstrategien der ehemaligen Tschekisten, ein Film über die menschenverachtenden Techniken der Stasi - erzählt von den Tätern selbst.



Der unerträgliche Alltag der Staatssicherheit: Sie haben Urenkel und aufgeräumte Wohnstuben, in denen die üblichen Zimmerpflanzen gute Pflege verraten. Sie haben eine kleine Rente und viel zu erzählen: Erinnerungen an ihre Arbeit in Erich Mielkes Auftrag. Sie haben sogar eine Bühne dafür: die 90-minütige Dokumentation von Christian Klemke und Jan N. Lorenzen. Darf ein Podium bekommen, wer eher auf die Anklagebank gehört? So einfach will es sich dieser Film nicht machen. Er kann weder Geheimnisse aufdecken, noch Schuld sprechen. Er zeigt neun Generäle und hochrangige Offiziere, die von dem berichten, was bis 1989 Klassen-Arbeit war. Gerhard Niebling ist dabei, Wolfgang Schwanitz, Horst Männchen oder Willi Opitz. Unerträglich sachlich erläutern sie die organisatorischen Abläufe der Erpressungen, Verhaftungen, Verhöre - manch einer scheint es zu genießen und erliegt nostalgischer Schwärmerei für die lückenlose Überwachung der inneren Sicherheit. Der Anfangsspott über die noch immer bieder-verschrobene Wortwahl der Tschekisten weicht wachsender Übelkeit angesichts der gefährlichen Intelligenz im Spießergewand. Unbestreitbarer Verdienst dieses Films ist es, Machtmechanismen und Charaktere zu zeigen, die leider weder überholt noch einmalig sind.(LEIPZIGER VOLKSZEITUNG)


Extras: Zusatzinterviews, Vorschau   Jahr: 2002   FSK: 12   Land: Deutschand   Sprache: deutsche Originalfassung   Länge: 90 min   Sound: Dolby Digital   Formate: 16:9  

   DVD  € 14,90  
Plakat A3  € 10,00  
< zurück


banner